Die
rabenschwarze US-Serie finden bei den deutschen Bestattern ein
überaus positives Echo. VOX sendet auf jeden Fall bis zum
Herbst durch.
Diese Serie hat keine Leichen im
Keller: Die Kritiker von "Six Feet Under" überschlagen
sich mit Lob. Beim Kölner Sender Vox zeigt man sich zufrieden
sowohl mit Zuschauerzahlen als auch Marktanteilen an der Serie.
Auch die meisten derer, um die es geht, sorgen für stabile
Quoten. Er sei Stammseher, bekennt Rolf Lichtner, Generalsekretär
im Bundesverband des Deutschen Bestattungsgewerbes. So saßen
er und viele seiner bundesweit 3500 Kollegen gestern Abend wieder
einmal in der ersten Reihe, um zu verfolgen, wie
die TV-Familie Fisher in rabenschwarzer Manier ihre Kundschaft
unter die Erde bringt.
Seit zwölf Wochen läuft die US-Bestatterserie mit
dem lakonischen Untertitel "Gestorben wird immer"
und den stets bizarren Todesarten. Man kann dennoch nicht sagen,
dass sich die Macher, die bereits für "Sex And The
City" verantwortlich zeichneten, durch allzu makabre Zwischentöne
das eigene Grab geschaufelt hätten: "Six Feet Under"
wurde von 2.10 Uhr auf 22.15 Uhr vorverlegt. An Spitzentagen
sahen eine Millionen Menschen zu. In der übernächsten
Woche startet die zweite Staffel. Und ein Ende morbiden Erfolges
ist nicht in Sicht: Vox strahlt auch die dritte Staffel ohne
Unterbrechung aus, so dass sich das deutsche TV-Publikum auf
Totengräber-Stoff nonstop bis in den Herbst gefasst machen
darf.
Das Bravo von Bestattergewerbe wird von der Serie vor allem
deshalb zuteil, weil sie einen "durchaus zu akzeptierenden
Umgang mit dem Thema Tod und Trauer ermöglicht", wie
es Lichtner ausdrückt, der sich im übrigen schon sämtliche
verfügbaren Staffeln von "Six Feet Under" auf
DVD besorgt hat. "Vielleicht wird insbesondere den vielen
jungen Zuschauern der Tod
als einziges, was zwangsläufig kommt, ein bisschen bewusster
gemacht". Der Düsseldorfer Fachmann für Trauerbegleitung
lobt die fachlich gute, wenngleich "seeeeehr amerikanische
Aufbereitung". Und er meint das buchstäblich: "In
Deutschland gibt es andere Formen der Aufbahrung von Toten,
wir wenden auch weniger Kosmetik an."
Nicht zuletzt beuge die Serie der Stigmatisierung eines Gewerbes
vor. "Six Feet Under" mache deutlich, dass Bestatter
so normal oder anormal sind wie der Rest der Gesellschaft -
kurz: Auch Bestatter sind nur Menschen.
(Quelle: NRZ 28.07.04 Michael Minholz)