Der Blutdurst treibt`s rein
Schön schül: TV-Serie
"True Blood" erzählt Vampir-Geschichten für
Erwachsene
Essen: Wo bleibt der Spaß, wenn die Blutsauger die besseren
Menschen sind? Und dazu völlig unauffällige Gebisse
haben? Werden sich auch die Macher der Fernsehserie "True
Blood" gefragt haben. Im schwülen Städtchen Bon
Temps in Louisiana sind bessere Zeiten für Vampire angebrochen:
Da sind die Untoten wie die Sterblichen blutrünstig und
brünstig, und wenn die Blutsauger ausrasten, rasten die
Reißzähne ein - Vampir-Geschichten für Erwachsene.
Japaner haben für die Medizin synthetisches Blut entwickelt.
Netter Nebeneffekt: Vampire können sich davon ernähren.
Nicht lecker, aber der Blutdurst treibt`s rein. Weil sie nicht
mehr töten müssen, um ihr untotes Leben zu erhalten,
treten sie an die Öffentlichkeit - und kämpfen jetzt
für ihre Bürgerrechte. Und gegen Vorurteile. In "True
Blood" fliegen schmutzige Schimpfwörter und fiese
Innereien durch die Gegend, wenn nicht gerade wild kopuliert
wird - so gar nicht jugendfrei.
Charlaine Harris hat sich die Geschichten um die Kellnerin Sookie
Stackhouse ausgedacht, die keine Vorurteile gegenüber Vampiren
hat und sich gleich in einen verliebt. Anna Paquin ("Das
Piano") spielt in der Serie des Bezahl-Senders HBO (auf
DVD: Warne Home Video) die Sookie mit einer Zahnlücke,
die ungefähr so sexy ist wie die Reißzähne ihres
Freundes Bill (Stephen Moyer). Der war ein rechtschaffener Mensch
und ist als Vampir auch meistens Vegetarier, außer, wenn
er mal an seiner Freundin nippt. Allerdings sind böse Menschen
scharf auf sein Blut - denn der "V-Saft" hat eine
ähnliche Wirkung wie, sagen wir mal, Viagara. Nur noch
viel aufregender.
Nebenher machen sich die Serien-Autoren über die amerikanische
Gesellschaft lustig, von fundamentalistischen Kirchen bis zum
Starkult: Angelina Jolie adoptiert ein Vampir-Baby. Vor allem
aber haben Bon Temps Bürger trotz aller Katastrophen mehr
Spaß als die gequälten Twilight-Teenies: Wenn nicht
dort gerade Werwolf-Welpe Jacob dazwischen knurrt, schmusen
Menschenmädchen Bella und der anämische Vampir Edward
auf der Wiese. Da gibt`s Blümchen, aber keinen Sex.
Besonders kühle und besonders heiße Vampire sind
es, die Amerika in diesen Zeiten auf die Menschheit loslässt.
Keine Variante hat mehr Kult-Potenzial als "True Blood"
und keine erreicht größere Massen als die "Twilight"-Saga
der Mormonin Stephenie Meyer. Es ist, als spiegelten sich zwei
Seiten der US-Mentalität: Alles mitnehmen, alles auskosten,
feiern, bis es weh tut - und nach höheren Zielen streben.
Quelle: NRZ Nr. 161 vom 14.07.2010