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"Lebendige Geister" lehren Oktoberfest-
besucher das
Gruseln

München (dpa) - Blutüberströmt springen sie aus dem Dunkel, schreien schaurig, greifen mit ihren krallenartigen Fingern nach den Besuchern.
Die erste Geisterbahn mit "lebenden Geistern" lehrt auf dem Münchner Oktoberfest die Fahrgäste das Gruseln. Im Schichtbetrieb tröten, pfeifen und brüllen von 12.00 Uhr mittags bis 23.00 Uhr abends insgesamt acht "echte" Geister durch die engen Unterweltgassen des "Schocker".

"Lebendige Geister frisch eingetroffen", meldet ein Schild über der Kasse. In schwarzen Umhängen, weißen Gewändern, mit Drakula-Zähnen und grausig vernarbten Gesichtern treiben sie zusammen mit 25 "normalen" maschinengesteuerten Geistern ihr Unwesen.
Und wenn einmal noch ein Platz in einem der gittergeschützten Wagen frei ist, steigt schon mal ein Geist persönlich zu und fährt durch die Geisterbahn- Hölle mit.
"Hier ist keine Fahrt gleich", betont Geisterbahnbetreiber Edmund Eckl.

Die Fahrgäste aus aller Welt sind begeistert. "Unglaublich", "stark" und - englisch - "brilliant" lauten die Kommentare. Doch nicht nur Fahrgäste stehen Schlange.
Ständig melden sich auch Bewerber als neue Geister. "Jeden Tag kommen 25 bis 30 Leute, viele haben schon ihre Kostüme dabei", berichtet Geisterchef Eckl. "Sie wollen kein Geld - sie wollen nur mal einen Tag Geist spielen.

"Doch im Moment ist kein Job frei. Geist "Athus" etwa, nach eigenen Angaben mindestens 300 Jahre alt, hat sich schon vor dem Oktoberfest beworben. Mit einer Visitenkarte hat er bei Eckl als "Aushilfsmonster" vorgesprochen - und den Job bekommen.
Bisher habe er nur an Fasching und Halloween geistern können, berichtet er. "Jetzt habe ich die dritte Jahreszeit entdeckt.

"Mit grausigem "Huuu" begrüßt er in seiner selbst gebastelten Maske mit Pappmasche-Hörnern, riesigen Zähnen und Kakerlake auf dem Arm die Gäste in der Geisterbahn.
Allerdings ist "Athus" ein recht humaner Geist - er schaut sich seine Opfer genau an und dosiert entsprechend seinen Einsatz: "Wenn ich so einen Zwei-mal-zwei-Meter-Mann vor mir habe, und er erschrickt, dann ist das ein Erfolgserlebnis - aber wenn ein kleines Kind kommt, dann gehe ich ganz vorsichtig ran.

"Im wirklichen Leben heißt "Athus" Peter Menzel, ist verheiratet und arbeitet als Leitender Angestellter in einer Reinigung - für seinen Oktoberfest-Einsatz hat er Urlaub genommen.
Für Horrorfilme hat er trotz seiner Begeisterung für das Monsterleben nicht allzu viel übrig. "Mich interessieren vor allem die Masken.

"Schon im Sommer hat sich Geisterbahnbesitzer Eckl auf den Einsatz auf dem Oktoberfest vorbereitet. Zuerst habe er Schauspielschüler und Studenten als Geister ausprobiert, berichtet der Herrscher über die leibhaftigen Monster, der bereits in der dritten Generation eine Geisterbahn betreibt. "Aber die waren nicht sehr gut." Zu wenig Leidenschaft - und leidenschaftlose Geister konnte Eckl nicht brauchen.

Nun rekrutieren sich die meisten seiner Geister aus seinem Mitarbeiterstamm. "Sie haben Spaß am Spielen, sind mit Leib und Seele dabei." Zu Dienstbeginn verwandeln sich die insgesamt sieben Männer und eine Frau mit Hilfe von Schminke, Latexmasken und Mänteln in entsetzliche Monster - beim gegenseitigen Schminken fällt die Maske jeden Tag anders aus. Die Utensilien hat Eckl eigens aus Amerika schicken lassen. "Bei uns hier bekommt man so etwas gar nicht.

"Den Erfolg der Idee kann sich Eckl selbst nicht ganz erklären. Bisher gab es lebendige Geister schon in Schaustellergeschäften zum Durchlaufen, nur in einer richtigen Geisterbahn nicht.
"Ich hätte nicht gedacht, dass das so einen Anklang findet", gibt Eckl zu. Vielleicht lasse sich daraus aber eine gewisse Technik-Müdigkeit ablesen. Immerhin seien die lebenden Geister mit null Stromverbrauch auch ökologisch sinnvoll.

Am Ende der Höllenfahrt empfängt Eckl die Fahrgäste gelegentlich persönlich: "Wie geht es Ihnen, wie hat es Ihnen gefallen?" Und: "Wollen Sie einen Geist mit nach Hause nehmen?" Das aber möchte dann doch keiner.

Mehr Infos zur Geisterbahn unter

www.schaustellerbetriebe.de

 

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